Frankfurt

Gespräch mit Prof. Rainer Römer von der HfMdK Frankfurt
 
Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt am Main
 
Ensemble Modern
 
Email: rainerromer at gmx.de
 

Prof. Rainer Römer
 
Der Blick aus dem Fenster des Schlagzeugzimmers ist imposant - die Frankfurter Hochhäuser, die sonst als Visitenkarte dienen...
Üblicherweise ist die Schlagzeug Abteilung im Keller, im glücklichsten Fall dürfen die Übenden die Schuhe von Passanten bewundern - wie ist es dazu gekommen, dass Ihr so eine tolle Lage habt?

Die Planungen für den Neubau der Hochschule gehen auf die frühen 80 er zurück und da ist wohl die Entscheidung für die Unterbringung der Schlagzeugabteilung in das oberste Stockwerk, gefallen. In dieser Zeit unterrichteten die Schlagzeuger der Oper Frankfurt, Karl Setzer und John Dvorachek.
 
Was gibt's im Untergeschoß?
Eine Tanzabteilung mit großen Sälen, ein elektronisches Studio, Überäume.
 
Gibt es gemeinsame Projekte mit anderen Abteilungen?
....Die Hochschule verfügt über eine sehr aktive Tanzabteilung unter Leitung von Prof. Dieter Heitkamp, der Leiter der Tanzabteilung ist und in der zahlreiche Projekte durchgeführt werden, bei denen Schlagzeuger mitwirken. Sei es improvisatorisch oder mit Kompositionen. Ebenfalls gibt es Projekte mit der Schauspielabteilung, bei der Schlagzeuger teilweise szenische Erfahrungen machen können.
 
Das Gebäude der Hochschule für Musik sieht recht neu aus, wie alt ist die Schule?
Die Geschichte der Hochschule geht bis in das Jahr 1878 zurück und nach einigen Umzügen steht sie heute auf dem Gelände des 1930 errichteten Funkhauses, das heute als grosser Konzertsaal dient und ist 1990 dort eröffnet worden.
 
Du hast hier eine Professur für Schlagzeug, unterrichtest aber nicht allein. Wer ist noch da an Lehrkräften und wie teilt Ihr Euch die Aufgaben?
2004 habe ich die Professur bekommen, übrigens die erste für Schlagzeug in Hessen und einer meiner Vorschläge beinhaltete ein Netzwerk zu den vorhandenen Orchestern aufzubauen. So konnte ich Kongrad Graf (1.Schlagzeuger des HR-Sinfonieorchester) für zwei Jahre gewinnen, und seit einem Jahr unterrichten die Pauker und Schlagzeuger der Oper Frankfurt Jürgen Friedel (Schlagzeug), Tobias Kästle (Pauken) und Ulrich Weber (Pauken, Schlagzeug). Sie übernehmen hauptsächlich die Ausbildung für Orchesterschlagzeug. Claus Heßler (Drums) und Hermann Kock (Drums) unterrichten für die Schulmusikabteilung, Claus Heßler übernimmt aber auch Interessenten aus unserer Abteilung. Überhaupt ist die Verbindung Orchestermusik-Schulmusik sehr eng, wir machen gemeinsam Konzerte und Kurse. Die Räumlichkeiten der Drummer sind auf derselben Etage.
Lehrende nach Fächern
 
Durch meine Arbeit beim Ensemble Modern habe ich mich nie auf ein Instrument spezialisiert, verfüge aber über eine breite Basis auf Kleiner Trommel, Vibrafon, Marimba, Pauken, Handtrommeln und natürlich Set-up. Gerade auf Handtrommeln habe ich selbst seit Jahren Unterricht. (Behnam Samani - Tombak, Jarrod Cagwin-Rahmentrommel).Ich unterrichte das Percussionensemble, wie auch Kammermusik. Gerade in der Kammermusik konnten wir hier die Aktivitäten stark ausweiten. Ich bemühe mich, pro Semester mindestens 1-2 Seminare oder Workshops anzubieten, bei denen Spezialisten für bestimmte Richtungen ihre Arbeit vorstellen und die Studenten unterrichten. Dafür erhalte ich große Unterstützung seitens der Hochschule, was auch die Anschaffung von Instrumenten betrifft.
 
Wie sieht das Studium hier aus, wie viele Semester für Grundstudium, kann man sich hier auch zum Aufbaustudium oder Solistenklasse/Masterklasse anmelden?
Die sogenannte "Bologna"-Prozess ist voll im Gange, d.h. die Umstellung auf die Bachelor/Master Ausbildung. Im Moment strukturiert sich das Studium aus 8-10 Semestern Regelstudienzeit und die Möglichkeit zur zweijährigen Meisterklasse. Spätestens ab 2010 gibt es aber dann Grund- und Schwerpunktstudium.(Bachelor und Master)
 
Da Du seit 1985 beim Ensemble Modern spielst, liegt Dein Schwerpunkt im Ensemblespiel?
Es wird sicher etwas geben, was ich am besten kann, aber wie gesagt, ich definiere meine Arbeit aus der Kenntnis aller Grunddisziplinen (Kleine Trommel, Vibrafon, Marimba, Pauken, Set-up, Handtrommeln). Ich bewege mich beruflich hauptsächlich in der Ensemble- und Kammermusik und nach zwanzig Jahren sammelt sich doch einiges an. Ich nehme auch immer wieder Herausforderungen von bestimmenten Parts oder Solostücken an und untersuche selbst, wie weit das gehen kann. Überhaupt ist die Frage der Spezialisierung eine sehr heikle und noch lange nicht geklärte Frage. Die ganze Entwicklung des Schlagzeugs befindet sich in einem enormen Aufbruch. Nach hundert Jahren Entdeckung setzt eine Zeit der Verfeinerung ein, die uns neue Stücke, Techniken, und Instrumente beschert. Gerade im Schlagzeug muß die Haltung des ständig Lernenden gepflegt und gefördert werden.
 
Was wäre Dir am wichtigsten einem Studenten, der bei Dir 8 Semester lang studiert - zu übermitteln?
Das Studium bietet die Möglichkeit, vom Zeitraum der Jugend den Übergang ins professionelle Leben grundlegend einzustellen. Das bedeutet, Überprüfung musikalisch, technischer Möglichkeiten zu Beginn. Das Erlernen einer Organisationsstruktur, die es ermöglicht, den Anforderungen des Instrumentes gerecht zu werden und nicht zuletzt die Bildung eines Netzwerkes, ohne das kein Schlagzeuger überleben kann. Die Fähigkeit der Selbsteinschätzung und die Strukturierung de Arbeitspensums. Die Studienzeit verlangt von den Studenten eine Positionierung, was nicht immer einfach ist, und bei der die Dozenten helfen können.
 
Ist es möglich für Deine Studenten bei den Proben von Ensemble Modern dabei zu sein, oder gar mit zu machen? Wenn man an die Persönlichkeiten denkt, die mit Euch arbeiten - wäre das sicher eine tolle Erfahrung - Pierre Boulez oder Peter Eötvös aus der nächsten Nähe zu erleben und die Arbeit zu beobachten?
Als ich Peter Eötvös 1984 zum erstenmal begegnet bin, war das ein wenig wie ein Neuanfang. Dass er jedes Instrument immer unter Aspekten der klanglich-formalen Anforderungen der Kompositionen und Ensemblebesetzung untersucht und von jedem Instrument eigentlich dasselbe verlangt, erfordert ein Umdenken bzw. Öffnen der Wahrnehmung beim Spielen. Natürlich sind die Erfahrungen mit Zappa, Lachenmann, Steve Reich, Heiner Goebbels, Fred Frith, Heinz Holliger u.v.a. prägend für meine Arbeit. Die Studenten haben natürlich Gelegenheit, wenn Interesse besteht, bei Proben dabei zu sein, wenn auch nur begrenzt, da wir grundsätzlich nicht allzuviel Besuch bei Proben haben. Aber sie haben auch die Möglichkeit, bei Proben des Opernorchester dabei zu sein und jede Menge Konzerte in Frankfurt zu besuchen. Die Gästeliste der Schlagzeuger beim Ensemble Modern ist lang und für gewöhnlich treffen wir durch Empfehlung auf Schlagzeuger, die bei uns dann mitspielen und die für mich sehr wichtig sind, was meine eigene Weiterbildung betrifft.
Die Studenten haben hier in der Region gut zu tun und der Kontakt zu den Orchestern ist sehr gut. Da es seit einem Jahr an der Hochschule ein Institut für zeitgenössische Musik gibt, konnten wir hier auch schon workshops mit Steve Reich, George Benjamin und Georg Friedrich Haas durchführen.
 
Wie ist der Kontakt zu den anderen Klangkörpern Frankfurts, zum Opernhaus oder HR?
Wie gesagt, Frankfurt bietet mit dem Opernhaus, dem HR-Siinfonieorchester, dem Ensemble Modern, der Internationalen Ensemble Modern Akademie, die seit diesem Jahr an die Hochschule angeschlossen ist und bei der die Stipendiaten die Möglichkeit haben, nach einem Jahr einen Master machen zu können, eine gute Infrastruktur, um sich zu orientieren. Es gibt viele private Initiativen, Ensembles, Orchester und Theater, die immer wieder Schlagzeuger brauchen. Es gibt die Musikmesse hier, die Buchmesse mit Länderschwerpunkten. Verschiedene kleinere Theater, die auch immer wieder mit Schlagzeugern arbeiten. Manchmal besteht die Aufgabe mehr darin, eine gute Balance zwischen Arbeitsmöglichkeiten und Studium zu finden.
 
Um noch zu der Hochschule zurück zu kommen - wie viele Räume stehen der Schlagzeugklasse zur Verfügung und was für ein Instrumentarium habt Ihr?
Ich betreibe seit ein paar Jahren Aufbauarbeit, die noch lange nicht abgeschlossen ist und die Unterstützung durch die Hochschule ist sehr groß. Der Rotary Club Alte Oper Frankfurt unterstützte ebenfalls in 2005 die Schlagzeugabteilung.
 
1 Ensemble-Pauken Raum (auch Überraum)
4 Überäume (jeweils für ein Setup oder Mallet)
1 Drumset studio (plus Latin-percussion Instrumente)
2 Räume für (Drum-Set, Mallet)
1 Lager
für Kammermusik kann ich auf andere Räume in der Hochschule zurückgreifen.
 
Pro Studienjahr 11-15 Studenten. (KA, Konzertexamen,Schulmusik, Jungstudenten)
 
Instumentarium:
Pauken:
Winkelmann (Naturfell), Dresdner, Adams Philharmonic (Naturfell), Adams Symphonic, 2 Wiener Pauken (Ziegenfell), Barockpauken, Reisepauken Lefima
Mallets:
3 Musser Vibrafone, A-Marimba (Studio 49), F- Marimba (Studio 49), C- Marimba (Studio 49), Marimba One, 3 Xylophone, 3 Glockenspiele
Gongs:
ES-c2
Röhrenglocken: Bergerault und Premier
Weiterhin:
f-c3 Almglocken
Kleine Trommeln: (ca. 10) Dresdner, Dörfler, Ludwig, Pearl
3 Große Trommeln (Lefima, Kolberg, u.a.)
Umfangreiches Kolbergständer Arsenal
Tom Toms, LP-Congas, Pearl Congas, LP-Bongos , Kleininstrumente, Schellen, Woodblocks, Chinese Toms, Logdrums,Crotales, Becken (Chinese und Türkisch), Triangeln, Tam-Tams,u.v.a.
Flight Cases, Percussion Bags für alle Mallets
 
Gibt es Möglichkeiten ein Stipendium von der HfM zu bekommen? Ich denke hier vor allem an die Studenten aus dem Ausland, neuen EU Ländern.
Es läuft ein ausführliches Erasmus Programm, innerhalb dessen ich im Wintersemsester einen Studenten aus Genf aufnehmen konnte. Als Partner Hochschulen kommen unter anderem in Frage Lyon, Budapest, Den Haag, Birmingham u.v.a. Es laufen ständig neue Förderprogramme für Ausländische Studenten - Nachfragen lohnt sich also.
 
Akademische Auslandsstelle - International Office
Albrecht Eitz
Tel: 069.154 007 256
Fax: 069.154 007 125
Albrecht.Eitz@hfmdk-frankfurt.de
 
Danke für das Gespräch, ich wünsche Dir und Deiner Klasse viel Erfolg und weiterhin soviel Motivation wie ich das bei unserem Treffen feststellen konnte!
 
Ein Gespräch von Katarzyna Mycka und Prof. Rainer Römer