Mainz

Jürgen Nießer Interview mit Jürgen Nießner
 
Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz
 
 
Katarzyna Mycka: Hallo Jürgen, seit längerer Zeit möchte ich mehr über die Schule erfahren, an der Du unterrichtest! Wie lange bist Du schon an dem Konservatorium Mainz? Wie lautet der richtige Name dieser Schule?
 
Jürgen Niessner: Hallo Kaska, ich unterrichte seit fast 18 Jahren am Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz.
 
KM: Wie lange dauert das Studium bei Euch? Ist das mit einem Hochschulstudium vergleichbar? Ist das etwas für die zukünftigen Musikpädagogen?
 
JN: Im Fach Schlagzeug haben wir die Studiengänge Staatlicher Musikschulpädagoge (SMP), Orchestermusik und den Aufbaustudiengang für Schlagzeug Solo, sowie in Kooperation mit der Universität bieten wir einen Bachelorstudiengang an. Die Anzahl der Semester entspricht der an Hochschulen üblichen Semester. Unser Hauptanliegen ist die Pädagogik. Wir bieten neben den üblichen Pädagogik-, Didaktik- und Methodikveranstaltungen unseren Studenten das betreute Unterrichten an. Das bedeutet, dass der Student mindestens 2 Semester Schüler der Musikschulabteilung des PCK im Bereich Anfänger-, Gruppen- und Fortgeschrittenenunterricht unterrichtet, während der Fachlehrer dabei ist und den Studenten betreut und unterstützt.
 
KM: In den letzten Jahren bin ich bei verschiedenen Kursen und Festivals Deinen Studenten begegnet, es ist auffällig wie interessiert und motiviert sie sind! Manche von Ihnen haben neue Wege eingeschlagen, Verlage gegründet oder gar mit Instrumentenbau begonnen?
 
JN: Für mich ist es sehr wichtig zu sehen, dass ein Student Interesse und Neugierde an allem hat, was mit dem Schlagzeug zu tun hat. Das Arbeitsfeld ist so umfangreich, ohne echtes Interesse und die Motivation etwas zu lernen, wird es jeder sehr schwer haben in diesem Beruf zu bestehen. Ich selbst betätige mich ja auch nicht nur als Lehrer, sonder spiele mit den verschiedensten Orchestern, baue Trommeln, veröffentliche Methoden und Lehrbücher, habe ein kleines Tonstudio und betreue das Tonstudio des PCK. All das führt dazu, dass ich sehr gerne und viel arbeite und sehr zufrieden damit bin. Dies führt bestimmt dazu, dass ich meine Studenten auch in Sachen Vielseitigkeit etwas präge.
 
KM: Wie viele Räume stehen der Schlagzeug Klasse zur Verfügung? Wie sieht es mit Instrumentarium aus?
 
JN: In unserem neuen Gebäude stehen uns 5 Räume zur Verfügung. Auf die Ausstattung dieser Räume bin ich sehr stolz, ich glaube, dass wenige Hochschulen in Deutschland so ausgestattet sind wie wir. Durch meine Beharrlichkeit und die Einsicht unseres Chefs habe ich einen jährlichen Etat für Neuanschaffungen und Reparaturen, der sich sehen lassen kann. Kurz gesagt, wir haben fast alles, was das Schlagzeugerherz begehrt.
 
KM: In diesem Fall bietet sich das Ensemble Spiel von allein an... Macht Ihr etwas in diese Richtung?
 
JN: Aber natürlich, dies ist für mich ein wichtiger Baustein in der Ausbildung. Selbst unsere Schüler der Musikschule haben regelmäßig Ensemblespiel und Konzerte.
 
KM: Wie sieht eine Aufnahmeprüfung bei Euch aus, was muß man können, vorspielen, welche Fächer sind gefragt?
 
JN: Wie an jeder Hochschule finden bei uns 2 mal jährlich Aufnahmeprüfungen statt. Geprüft werden Haupt-, Nebenfach, Theorie und Gehörbildung. Der Kandidat sollte ein Programm vorbereiten, dass mindestens Kl. Trommel, Pauken und Mallets (4 Schlägel) umfasst, wer möchte darf aber auch noch Drumset oder Set up vorspielen. Bei Zweifeln kann mich natürlich jeder kontaktieren.
 
KM: Habt Ihr Austauschprogramme mit dem Ausland? Wenn ja - mit welchen Ländern?
 
JN: Wir haben ein Austauschprogramm mit dem Konservatorium der französischen Partnerstadt Dijon und im Moment bin ich dabei, eine Partnerschaft mit einer finnischen Schule voran zu treiben, aber das braucht noch. Das ist politisch nicht immer ganz einfach.
 
KM: Wie ich mitbekommen habe, ist das Unterrichten nicht Deine einzige Beschäftigung; das Bauen der Trommeln scheint eine Leidenschaft zu sein! Könntest Du mir kurz erzählen, wie Du dazu gekommen bist und ob Du die Geheimnisse der Trommelbauart auch Deinen Studenten vermittelst?
 
JN:  Meine Laufbahn als Musiker hat als Kind mit der Geige begonnen. Bei diesem Instrument ist es so entscheidend was für ein Instrument Du hast, um einen schönen Klang zu erzeugen. Ich denke, das hat mich geprägt immer weiter nach einem guten Instrument zu suchen. Als Student konnte ich mir keine teuren Trommeln leisten und ich war auch nicht immer mit den existierenden Trommeln zufrieden. Die Neugierde zu verstehen wie alles funktioniert, die Tonerzeugung, Stimmung etc. hat mich dazu gebracht viel zu experimentieren, um eine perfekte Trommel zu bauen. So habe ich viel über Trommeln gelernt. Eigentlich wollte ich mein know how vor Jahren verschiedenen Schlagzeugherstellern anbieten, doch die haben kein Interesse gezeigt, also habe ich einfach angefangen, eine eigene Firma zu gründen und baue jetzt für interessierte Kollegen ihr Wunschinstrument. Den interessierten Studenten zeige ich sehr vieles über den Trommel- und Schlägelbau. Ich sage nur, wer fragt gewinnt.
 
KM: Ich habe an der Musikakademie in Oslo gesehen, daß die Schlagzeug Klasse über eine eigene Werkstatt verfügt, wo die Instrumente nicht nur repariert werden. Die Pflege, Bau und Reparatur der Schlaginstrumente sind richtig in das Studium eingebunden. Gibt es so etwas ähnliches in Deutschland? Findest Du nicht, daß es in dem speziellen Fall den Schlagzeugern auch vermittelt werden soll?
 
JN: Es ist mir nicht bekannt, dass dies in Deutschland existiert. Das wäre super, wenn es das gäbe. Da ich alle Schlaginstrumente am PCK repariere, zeige ich vieles meinen Studenten, aber leider bekomme ich dafür keine feste Zeit im Lehrplan.
 
KM: Gibt es noch etwas, dass Deiner Meinung nach wichtig ist zu erfahren für diejenigen, die sich für ein Studium in Mainz interessieren?
 
JN: Ja, Mainz ist eine tolle Studentenstadt und das PCK hat einige Vorteile. Da wir kleiner als Hochschulen sind, ist es bei uns etwas familiärer. Unser Chef kennt jeden Student mit Namen. Es gibt hier im Rhein-Main-Gebiet viele Möglichkeiten, schon während des Studiums Geld zu verdienen. Aber der wichtigste Punkt ist: bei uns sind die Semester länger. Da unsere Ferien den Schulferien gleichgeschaltet sind, hat jeder Student fast doppelt so viel Unterricht, wie an einer Hochschule. Bei uns steht Betreuung der Studenten ganz oben auf der Liste.
 
KM: Vielen Dank für Deine Zeit und alles Gute für die Zukunft!
 
August 2010